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Personalisierte Medizin

„Es ist wichtiger zu wissen, welche Person eine Krankheit hat, als zu wissen, welche Krankheit eine Person hat.“ – Hippokrates

Personalisierte Medizin bedeutet, die richtige Behandlung für den richtigen Menschen zu finden. Ausgangspunkt einer Therapieentscheidung ist also nicht die Krankheit, sondern der Patient. Bis in die 1990er-Jahre wurden Krankheiten sehr einheitlich behandelt, ganz nach dem Motto „one size fits all - ein Medikament für alle“. Durch einen rasanten Erkenntnisfortschritt besonders in der molekularen Medizin ist es mittlerweile möglich, das Entstehen und den Verlauf von Krankheiten immer besser zu verstehen. Neu entwickelte Therapieansätze zielen darauf ab, passende und damit wirksamere Therapien für die jeweiligen Patient:innen zu finden.

Zukunft in der Praxis

Schon heute können Ärzt:innen aufgrund molekularbiologischer Untersuchungen vorhersagen, wie gut Patient:innen auf eine Behandlung ansprechen werden. Diagnostik spielt dabei eine sehr wichtige Rolle, hier können bestimmte Gendefekte oder andere individuelle Besonderheiten eines Menschen erkannt werden.

Moderne Diagnosemethoden sind ein Grundpfeiler der Personalisierten Medizin. Schon heute gibt es genetische Tests, die das individuelle Risiko, eine bestimmte Erkrankung zu bekommen, vorhersagen können.

Ziel der Medizin ist das Verstehen von Erkrankungen und die Erforschung ihrer molekularbiologischen Eigenschaften im Zusammenhang mit der Prognose des individuellen Krankheitsverlaufs und Therapieansprechens. Dabei werden genetische, molekulare und zelluläre Besonderheiten von Patient:innen erfasst und bei der Therapieentscheidung einbezogen.

Heute weiß man, dass es 250 bis 300 verschiedene Arten und Unterarten von Krebs gibt. Nicht alle sprechen gleich gut auf Therapien an. Hier spielen auch individuelle Eigenschaften der Patient:innen eine Rolle.

Jeder Krebs ist anders

Früher wurde Lungenkrebs als einzelne Erkrankung betrachtet und behandelt. Heute wissen wir, dass eine Vielzahl an genetischen Mutationen z.B. nicht-kleinzelligen Lungenkrebs verursachen können. Diese Veränderungen kann man erst erkennen, seit es hochentwickelte Diagnoseverfahren gibt und wir die Entstehung von Krankheiten immer besser verstehen. In der Onkologie hat sich die Personalisierte Medizin am schnellsten entwickelt. Hier gibt es schon Jahren zielgerichtete Therapien, die sich gegen bestimmte Merkmale einer Tumorzelle richten und sie so von gesunden Körperzellen unterscheiden. Diese Therapien haben daher weniger Nebenwirkungen und Patient:innen eine bessere Lebensqualität.

Viele genetische Mutationen können nicht-kleinzelligen Lungenkrebs verursachen. Oft haben solche Veränderungen auch Einfluss auf Tumorwachstum und -überleben. Hier setzen zielgerichtete Therapien an.

Was sind zielgerichtete Therapien?

Zielgerichtete Therapien (oder englisch: targeted therapies) sind wichtiger Bestandteil der Personalisierten Medizin und kommen in der Onkologie schon seit einigen Jahren zum Einsatz. Die Wirkstoffe richten sich gezielt gegen Krebszellen und schonen somit das gesunde Gewebe. Tumorzellen geben bestimmte Signale ab, um überleben und wachsen zu können. Diese Signale können von gezielt eingesetzten Wirkstoffen unterbrochen werden, sodass sich Tumorzellen nicht weiter vermehren.

Als zielgerichtete Therapien können chemische Moleküle in Tablettenform oder immunbiologische Stoffe, also Antikörper als Infusion zum Einsatz kommen. Erst nach umfangreichen molekularen Untersuchungen des Tumorgewebes (auch Tumorprofiling genannt) kann eine mögliche zielgerichtete Therapie – manchmal auch in Kombination mit einer anderen Therapieform – festgelegt werden.

Kostenfaktor Krankheit

Es gibt die Befürchtung, dass Personalisierte Medizin mit aufwendigen diagnostischen Verfahren und zielgerichteten Therapien zu einer Kostenexplosion im Gesundheitssystem führen könnte. Doch auf lange Sicht sind sogar Einsparungen zu erwarten. Heutzutage erhalten Patient:innen häufig Therapien, die bei ihnen keine oder nur eine geringe Wirkung zeigen. Sie leiden nicht nur an Nebenwirkungen, sondern auch weiterhin an der Grunderkrankung. Zielgerichtete Therapien weisen weniger Nebenwirkungen als herkömmliche Behandlungen auf, damit sind sie nicht nur schonender für die Patient:innen, sondern führen auch zu einer besseren Lebensqualität. Die Patient:innen verbringen weniger Zeit im Krankenhaus und können wieder ihrem Beruf nachgehen.

Heute für Morgen investieren

Ohne Investition keine Innovation. Obwohl wir in der Personalisierten Medizin schon einiges erreicht haben, gibt es noch sehr viel Potenzial in Diagnostik und Therapie. Es braucht den gemeinsamen Austausch von Entscheidungsträger:innen mit Forscher:innen und Patient:innen, um auch in Zukunft die besten und wirksamsten Diagnostikmethoden und Therapieoptionen zu entwickeln und zu etablieren. So können wir die Personalisierte Medizin nicht nur weiterentwickeln, sondern noch effizienter und letztendlich kostenschonender gestalten – zum Vorteil von uns allen.