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Therapie

Heutzutage steht eine Vielzahl von verschiedenen Therapiekonzepten zur Verfügung. Dabei spielen unterschiedliche Bedingungen eine wichtige Rolle, um die richtige Therapie auszuwählen: Alter, Schweregrad und Ort der Erkrankung, Begleiterkrankungen, physikalische und seelische Gesundheit und genetische Veränderungen.

Kombinationen gegen Krankheiten

Je nachdem, wann eine Therapie verabreicht wird, wird zwischen verschiedenen Therapiekonzepten unterschieden.

Generelll sind Kombinationen bei den Behandlungsmöglichkeiten keine Seltenheit. Sehr häufig werden bei Krebserkrankungen z.B. Chemo- und Strahlentherapien kombiniert oder eine Anti-Hormontherapie nach einer Chemotherapie begonnen. Auch eine Operation kann Teil des Behandlungskonzepts sein, wenn ein Tumor oder Metastasen chirurgisch entfernt werden.

Auch in der Personalisierten Medizin kommen Therapien zum Einsatz, mit denen seit vielen Jahren gearbeitet wird. Doch anhand präziser Diagnostik kann man heute ihre Wirkung besser einschätzen und sie auch mit neuartigen Behandlungsmethoden kombinieren.

Welche Therapieoptionen bei Krebserkrankungen gibt es?

Chemotherapie

Es handelt sich dabei um einen Sammelbegriff von verschiedenen chemischen Medikamenten. Sie hemmen die Teilung und Vermehrung von Krebszellen, daher der Name Zytostatika ("Zellteilungs-Hemmer"). Die toxischen Wirkstoffe stören die Teilung und Vermehrung von Zellen, können allerdings zwischen gesunden Körperzellen und Krebszellen nicht unterscheiden. Darum haben Patient:innen unter einer Chemotherapie zum Teil starke Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit und andauernde Müdigkeit (Fatigue).

Strahlentherapie (Radiotherapie)

Neben Operation und Chemotherapie ist die Strahlentherapie eine der wichtigsten Behandlungsformen in der Krebstherapie. Die Strahlung schädigt die DNA der Krebszellen so, dass sie sich nicht weiter teilen können. Tumoren werden kleiner oder können sogar verschwinden. Auch hier werden allerdings gesunde Körperzellen in Mitleidenschaft gezogen, sodass Radiotherapie nur bei lokal begrenzten Tumoren eingesetzt wird. Die Strahlentherapie kann entweder als alleinige Behandlungsmethode eingesetzt werden, in Kombination mit einer Chemotherapie oder nach einer Operation sowie zur Linderung tumorbedingter Beschwerden (z.B. durch Knochenmetastasen).

Anti-Hormontherapie (endokrine Therapie)

Einige Krebsarten reagieren auf bestimmte Hormone mit verstärktem Wachstum, z.B. einige Brustkrebsarten auf das weibliche Sexualhormon Östrogen und Prostatakarzinome auf männliche Hormone, die sogenannten Androgene. Mittels endokriner Therapie kann die Produktion dieser körpereigenen Hormone unterdrückt und der Tumor so am Wachsen gehindert werden. Diese Therapie wird meistens für einen längeren Zeitraum von mehreren Jahren in Tablettenform eingenommen und hat wesentlich weniger Nebenwirkungen als eine Chemotherapie.

Operation (Chirurgie)

Chirurgische Eingriffe können vorgenommen werden, wenn der Tumor nicht zu groß und vom umliegenden gesunden Gewebe gut abgegrenzt ist. Grundsätzlich gilt: Operationen sollten so umfangreich wie nötig, aber so schonend wie möglich durchgeführt werden. Im besten Fall kann der Tumor vollständig entfernt werden, wobei das erkrankte Organ sowie seine Funktion erhalten bleibt.

Gentherapie

Gene können gezielt durch künstlich hergestellte DNA (= rekombinante Nukleinsäure) verändert werden. Damit kann DNA von Erkrankten repariert, ersetzt oder entfernt werden. Diese Therapie kommt nur in Körperzellen zum Einsatz, nicht in Keimzellen. Vorgenommene Veränderungen können daher nicht weitervererbt werden. Eine Gentherapie kann z.B. bei Erbkrankheiten, die von einem einzigen Gen hervorgerufen werden, den Ausbruch der Krankheit verhindern oder den Krankheitsverlauf lindern. Auch bei bestimmten Blutkrebsarten kann eine Gentherapie eine Option sein.

Immuntherapie

Ziel ist es, das körpereigene Immunsystem anzuregen, sich aktiv gegen eine Erkrankung zu wenden. Da Krebszellen sich aus körpereigenem Gewebe entwickeln, sind sie für das Immunsystem nicht so fremd wie Viren oder Bakterien. Außerdem können sie sich z.B. mit bestimmten Rezeptoren an ihrer Zelloberfläche „tarnen“: Sie sehen damit für das Immunsystem wie gesunde Körperzellen aus. Manche Krebsarten produzieren sogar chemische Stoffe, die das Immunsystem unterdrücken.

Im gesunden Immunsystem gibt es Immun-Checkpoints, also Kontrollpunkte, die eine Überfunktion des Immunsystems gegen gesunde Zellen verhindern sollen. Sie regulieren das Immunsystem also durch diese Hemmung auf natürliche Weise. Manche Tumorzellen aktivieren gezielt diese hemmenden Immun-Checkpoints, wodurch körpereigene T-Lymphozyten, die sich gegen den Tumor richten können, stark geschwächt werden. Hier setzen sogenannte Immun-Checkpoint-Hemmer (Checkpoint-Inhibitoren), Antikörper, die sich gezielt gegen diese Immun-Checkpoints richten. Damit lösen sie die „Immunbremse“, die von den Krebszellen aktiviert wurde. Das Immunsystem kann die Krebszellen nun wieder erkennen und zerstören.

So funktioniert die Immuntherapie

  1. Die T-Zellen eines intakten Immunsystems erkennen Krebszellen als Feind und attackieren sie.
  2. Die Tumorzelle tarnt sich an ihrer Oberfläche, die T-Zelle kann sie nicht attackieren.

  3. Checkpoint-Inhibitoren (z.B. PD-1-Hemmer) besetzen den Rezeptor und „enttarnen“ die Krebszelle.

  4. Die T-Zelle ist aktiv und greift die Krebszelle an.

Auch bei einer Immuntherapie können Nebenwirkungen auftreten. Im Fall einer zu starken Aktivierung des Immunsystems kann z.B. das körpereigene Gewebe angegriffen und somit Symptome einer Autoimmunerkrankung hervorgerufen werden.

Tyrosinkinase-Hemmer

Eine weitere Möglichkeit, gegen Krebserkrankungen vorzugehen, sind Tyrosinkinase-Hemmer. Wie alle Zellen brauchen auch Krebszellen ein Signal, um zu wachsen und sich zu vermehren. Dieses erhalten sie über Rezpetoren an der Zelloberfläche, die das Signal ins Innere der Zelle leiten. Für diese Weiterleitung sind unter anderem Tyrosinkinasen, körpereigene Enzyme, verantwortlich. Einige Tumoren haben besonders viele Rezeptoren, damit sind auch Tyrosinkinasen ständig aktiv und geben den Zellen laufend das Signal zur Teilung. So wächst der Tumor.
Tyrosinkinase-Hemmer oder auch Tyrosinkinase-Inhibitoren sind zielgerichtete Wirkstoffe, die diesen Signalweg unterbrechen, und somit die Zellteilung und das Tumorwachstum verlangsamen. Vor allem bei chronischer myeloischer Leukämie, fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs oder gastrointestinalen Stromatumoren ist diese Therapieoption eine sinnvolle Erweiterung der bereits bestehenden Behandlungsmöglichkeiten.

CAR-T-Zelltherapie: Zielgerichtet in die Zukunft

Während die Personalisierte Medizin in der Diagnostik bereits vielerorts Standard ist, gibt es bei zielgerichteten Therapien immer noch Potenzial. Doch auch hier hat sich in den letzten Jahren viel getan. Neben dem vermehrten Einsatz von Immuntherapien wurde 2012 in der EU die erste Gentherapie zugelassen. So auch die CAR-T-Zelltherapie, eigentlich eine Kombination aus Immun- und Gentherapie: Dafür werden Tumorpatient:innen T-Zellen entnommen und gentechnisch so verändert, dass sich auf ihrer Oberfläche so genannte „Chimäre Antigen Rezeptoren“ (CAR) bilden. Diese Zellen können nun Krebszellen erkennen. Im Labor werden sie vermehrt und mittels Infusion den Patient:innen verabreicht. Finden sie einen Tumor, vermehren sie sich und greifen ihn an. Besonders bei B-Zell-Tumoren, die das Oberflächenprotein CD19 tragen, scheint diese Therapie besonders erfolgreich zu sein. Da es aber zu schweren, zum Teil lebensbedrohlichen Nebenwirkungen kommen kann, erhalten aktuell vor allem Patient:innen, für die keine andere Heilungschance mehr besteht, diese Gentherapie.

  1. Patient:innen werden weiße Blutkörperchen entnommen.

  2. T-Zellen werden isoliert und aktiviert.

  3. T-Zellen werden genetisch verändert, sodass sie Chimäre Antigen Rezeptoren (CAR) bilden.

  4. T-Zellen werden im Labor vermehrt.

  5. Infusion der gentechnisch veränderten T-Zellen, die nun Krebszellen erkennen können.

Seltene Herausforderung „Cancer of Unknown Primary“ (CUP)

Auch hier kommen einzelne oder kombinierte Behandlungen zum Einsatz. Die Therapie hängt von den molekularbiologischen Eigenschaften der Krebszellen, dem Grad der Metastasierung und dem Allgemeinzustand der Patient:innen ab.

Mehr zu CUP

Der Preis der Personalisierten Medizin

Aufwendige diagnostische Methoden und für jeden Menschen eine zielgerichtete Therapie - das klingt im ersten Moment nach einer Kostenexplosion im Gesundheitssystem. Doch mit Personalisierter Medizin sind auf lange Sicht sogar Einsparungen möglich.

Auch heute erhalten Patient:innen Therapien, die keine oder nur eine geringe Wirkung zeigen. Zusätzlich zur Grunderkrankungen leiden sie also auch an Nebenwirkungen, sind länger im Krankenhaus und können ihren Beruf nicht ausüben. Auch das verursacht Kosten für das Gesundheitssystem.

Dank des technologischen Fortschritts konnten bereits zahlreiche Prozesse automatisiert werden, was im klinischen Alltag bereits zu Einsparungen geführt hat. Neue Entwicklungen wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) oder Algorithmen in der Medizin beschleunigen nicht nur Diagnoseverfahren, sondern können auch die klinische Forschung dabei unterstützen, rascher geeignete Patient:innen für Studienprojekte zu finden. Auch das beinhaltet Einsparungspotenzial.

Think Big (Data)

Um die Entwicklungen in der Personalisierten Medizin voranzutreiben und zielgerichtete Therapien herzustellen, wird die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern, Forschungseinrichtungen und pharmazeutischen Unternehmen immer wichtiger. Während der Corona-Pandemie 2019/2020 wurde deutlich, was möglich ist, wenn diese Institutionen eng zusammen arbeiten und auf global verfügbare Daten zugreifen können.

Viele Menschen haben Bedenken, wenn es um den Zugriff auf Gesundheitsdaten geht. Tatsächlich handelt es sich bei Big Data in der Personalisierten Medizin um anonymisierte Patientendaten. Mittels Algorithmen können diese z.B. nach bestimmten Krankheiten, Altersgruppen oder Therapiekombinationen durchsucht werden. Das Potenzial von Big Data reicht von schnellen umsetzbaren Forschungsprojekten über neue Therapieansätze bis hin zur Verbesserung von bestehenden Therapien.

Je mehr Patientendaten den Forschungseinrichtungen zur Verfügung stehen, desto besser verstehen Mediziner:innen in die individuellen Eigenschaften von Patient:innen und deren Erkrankungen. Dieses Verständnis ist einer der Grundpfeiler der Personalisierten Medizin.