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Tumoragnostischer Ansatz

Der Begriff "agnostisch" kommt aus dem Altgriechischen und heißt übersetzt "ohne Wissen".

Weg vom Organ

Bisher war man sich einig, dass das Organ, in dem sich ein Tumor bildet, die Tumorart bestimmt. Also ein Tumor in der Brust ist Brustkrebs und ein Tumor im Darm ist Darmkrebs. Die Krebstherapie richtet sich üblicherweise nach der Lokalisation des Tumors und seiner Histologie. Heute wissen wir dank moderner molekulargenetischer Diagnoseverfahren, dass es bestimmte Mutationen in Krebszellen gibt, die das Wachstum von Tumoren in allen Organen anregen können. 

Orientiert sich die Behandlung nicht mehr an Krebsart, Ursprungsorgan oder den Gewebeeigenschaften, sondern an diesen spezifischen molekulargenetischen Veränderungen (Biomarkern) im Tumor, spricht man vom tumoragnostischen Ansatz. 

Tumorprofiling in der Personalisierten Medizin

Es gibt z.B. molekulargenetische Tumorerkrankungen, die eine Veränderung der drei "Tropomyosin-Rezeptor-Kinase"(TRK)-Gene, auch bekannt als Nervenwachstumsfaktor-Rezeptor, enthalten. Diese können überall im Körper auftreten. Heute sind bereits über 20 Tumorarten bekannt, die solche Veränderungen aufweisen können.

Wir verfügen heute über umfassende molekulare Diagnostikmethoden, die die Identifikation von zum Teil seltenen genomischen Mutationen – und damit ein möglichst genaues Tumorprofiling – ermöglichen. 
In Zukunft werden Tumoren zunehmend anhand ihrer molekularen Marker behandelt werden können. In der Personalisierten Medizin werden Behandlungsstrategien, die Entitätsgrenzen überschreiten, zukünftig immer mehr an Bedeutung gewinnen.

2017 wurden in den U.S.A. erstmals tumoragnostische Krebsmedikamente zugelassen. Sie zeigen bei Patient:innen mit soliden Tumoren im fortgeschrittenen Stadium, die einen bestimmten Biomarker aufwiesen, gute Wirksamkeit und ein lang andauerndes Ansprechen der Therapie. Generell muss man aber festhalten, dass der tumoragnostische Ansatz derzeit noch nicht sehr verbreitet eingesetzt wird.