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Krebserkrankungen

Es gibt mehr als 300 bekannte Krebsarten, denn Krebs kann von unterschiedlichen Zellarten ausgehen und an verschiedenen Stellen des Körpers auftreten. Doch wir lernen immer besser, sie zu identifizieren und zu bekämpfen.

Ein Name für viele Erkrankungen

„Krebs“ ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von zum Teil sehr komplexen Erkrankungen. Ihr gemeinsames Merkmal ist, dass sich ursprünglich gesunde, körpereigene Zellen plötzlich unkontrolliert vermehren und ausbreiten. Einige Krebserkrankungen lassen sich bestimmten Organen zuordnen, wie z.B. Brustkrebs, Lungenkrebs oder Blasenkrebs. Manchmal kann trotz intensiver Suche kein Primärtumor gefunden werden, dann spricht man vom CUP-Syndrom. Heute wissen wir, dass die Einteilung nach Organen nicht unbedingt der richtige Ansatz ist und besonders in der Personalisierten Medizin spielen die biologischen Merkmale der Tumorzellen eine große Rolle (tumoragnostischer Ansatz). 

Der Tumor im Fokus

Wir wissen heute, dass bestimmte Gene Tumorwachstum auslösen oder fördern können, so genannte Bio- oder Tumormarker. Diese Biomarker haben die Krebstherapie verändert und liefern wichtige Ansatzpunkte für die spezifische Behandlung verschiedener Krebserkrankungen. Auf Grundlage der Tumormarker sowie der Analyse des genomischen Tumorprofils können wir dank moderner diagnostischer Untersuchungen feststellen, auf welche Therapie Patient:innen am wahrscheinlichsten ansprechen werden und damit individuellere Behandlungen ermöglichen. Gleichzeitig können Nebenwirkungen reduziert werden.

Bei Brustkrebs sind verschiedene Biomarker schon länger bekannt, z.B. der Hormonrezeptor und der Rezeptor HER2. Diese werden heutzutage routinemäßig bestimmt, da sie über den Einsatz bestimmter Therapien entscheiden. Weist der Tumor an der Zelloberfläche vermehrt Hormonrezeptoren (vielfache Anzahl als bei einer normalen Zelle), so kann das Wachstum der Zellen durch Wachstumsfaktoren z.B. Östrogen oder Progesteron, noch stärker gefördert werden. Eine Antihormon-Therapie beeinflusst durch Unterdrückung dieser Hormone das Tumorwachstum, in dem die Rezeptoren blockiert werden und die Wachstumsfaktoren sich nicht mehr andocken können. Ähnlich wirkt eine Therapie gegen Krebszellen, die HER2-Rezeptoren aufweisen. So kann man durch bestimmte Merkmale des Tumors eine geeignete, zielgerichtete Therapie finden.

Die netdoktor Krebsschule

Auf dem Gesundheitsportal netdoktor.at finden Sie wichtige Informationen über Krebs und die möglichen Behandlungen.

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Richtig erkennen, gezielt behandeln

Eine gute und umfangreiche Diagnose ist essenziell, um eine Erkrankung zu bestimmen. Besonders in der Personalisierten Medizin sind Diagnostik und Therapie eng miteinander verknüpft. Denn nur, wenn die Erkrankung richtig erkannt wird, kann eine Therapie gezielt angewendet werden. Problematisch wird es, wenn die Symptome nicht eindeutig sind oder im Fall des CUP-Syndroms, wenn nicht identifizierbar ist, woher der Tumor ursprünglich stammt. 

Es gibt verschiedene Bio- bzw. Tumormarker, die auf eine Krebserkrankung oder einen Rückfall hindeuten und wahrscheinlichen Krankheitsverlauf oder Wirksamkeit von Therapien besser einschätzbar machen. Tumormarker werden entweder direkt von Krebszellen oder von gesunden Körperzellen als Reaktion auf einen Tumor gebildet.

Prognostische Marker: Anhand von Prognosemarkern können Ärzt:innen den statistisch wahrscheinlichen Krankheitsverlauf vorhersagen. 

Prädiktive Marker: Mittels prädiktiver Marker untersuchen Ärzt:innen, ob und wie eine bestimmte Therapie bei einzelnen Patient:innen wahrscheinlich wirken wird. Prädiktive Marker können Eigenschaften der Tumorzellen sein, die sie empfindlich für eine Behandlung mit einem bestimmten Wirkstoff machen. Oder wie der Stoffwechsel des oder der Betroffenen ein bestimmtes Medikament verarbeitet. Dadurch lassen sich auch mögliche Nebenwirkungen besser beurteilen.

Nicht alle Marker lassen sich eindeutig einer Gruppe zuweisen. Ein Tumormarker kann auf den Krankheitsverlauf hinweisen, also ein Prognosefaktor sein. Und ein Prognosemarker, der auf einen aggressiveren Tumor hinweist, kann gleichzeitig Hinweise auf das Ansprechen auf eine Behandlung liefern.

Mit Hightech dem Tumor auf der Spur

Der technologische Fortschritt der letzten Jahrzehnte hat auch die moderne Diagnostik verändert. Molekularbiologische Untersuchungen wie z.B. Gensequenzierungen sind mittlerweile in wenigen Stunden möglich und ermöglichen ein genetisches Profil des Tumors, auf das mit einer Therapie zielgerichtet reagiert werden kann. Was vor ein paar Jahren noch wie Science Fiction klang, ist mittlerweile Standard in unseren Laboren.

Mehr zu Diagnose

Zielgerichtet gegen den Tumor

In der Personalisierten Medizin stellen zielgerichtete Therapien ein wichtiges Behandlungskonzept dar. Sie richten sich gezielt gegen bestimmte Merkmale eines Tumors, sodass das umliegende, gesunde Gewebe möglichst geschont wird. Dafür ist eine umfassende Diagnostik, das molekulare Profiling, nötig. Dabei können anhand einer Gewebeprobe aus dem Tumor und/oder einer Metastase hunderte verschiedene Veränderungen im Erbgut bestimmt werden. Diese Mutationen können Angriffspunkte für verschiedene zielgerichtete Therapien bieten und bei der Therapieplanung helfen. 

Zielgerichtete Medikamente können gegen bestimmte Zielstrukturen der Tumorzelle wirken: Rezeptoren auf der Zelloberfläche (z.B. HER2), Botenstoffe, die an Rezeptor binden (z.B. Antikörper) oder auf Signalwege im Inneren der Krebszellen (intrazellulär).

Allerdings ist auch ein umfassendes Tumorprofil keine Garantie dafür, dass damit eine passende Therapie gefunden wird. Denn nicht für alle genetischen Mutationen gibt es schon zugelassene zielgerichtete Therapien. Doch es ist möglich, anhand solcher Testergebnisse genetische Veränderungen zu identifizieren, an denen vielleicht gerade im Rahmen einer klinischen Studie geforscht wird. So können Patient:innen - wenn sie möchten – an einer solchen Studie teilnehmen, in der neue zielgerichtete Medikamente getestet werden.

Viele Wege, ein Ziel

Heutzutage steht eine Vielzahl verschiedener Therapiekonzepte zur Verfügung. Dabei spielen unterschiedliche Bedingungen eine Rolle für die richtige Therapiewahl: Alter, Schweregrad und Ort der Tumorerkrankung, Begleiterkrankungen, physikalische und seelische Gesundheit und die genetischen Veränderungen des Tumors.

Mehr zu Therapie

Therapiekonzepte im Überblick

Bei einer Krebserkrankung gibt es mehrere Therapiemöglichkeiten. Man unterscheidet zwischen lokalen Behandlungen, die in einer begrenzten Körperregion bzw. einem bestimmten Organ vorgenommen werden, und systemischen Therapien, die im ganzen Körper wirken. Manchmal werden Behandlungen auch kombiniert. 

Eine Operation (Chirurgie) ist eine lokale Therapie und bei den meisten Krebsarten die wichtigste Behandlungsform. Im Idealfall lässt sich ein Tumor vollständig entfernen, und das betroffene Organ sowie seine Funktion bleiben erhalten. Auch eine Strahlen- oder Radiotherapie ist eine lokale Behandlung und kommt in der Krebstherapie schon lange zum Einsatz. Der Tumor wird durch Bestrahlung in einer begrenzten Körperregion zerstört.

Im Gegensatz zu Lokaltherapien wirkt eine Chemotherapie systemisch, also im gesamten Körper. Die Medikamente hemmen die Teilung und Vermehrung von Krebszellen, daher der Name Zytostatika ("Zellteilungs-Hemmer"). Sie wirken aber auch auf gesunde Körperzellen, was zu einigen Nebenwirkungen führt. Die endokrine oder Anti-Hormontherapie ist ebenfalls eine systemische Behandlung, allerdings mit weniger Nebenwirkungen. Sie wird bei Krebserkrankungen verabreicht, die durch Hormone zum Wachstum angeregt werden. Durch Unterdrückung der körpereigenen Hormonproduktion bzw. Hemmung der Hormonwirkung am Rezeptor der Krebszellen, wird das Wachstum beeinflusst und die Ausbreitung des Tumors gehemmt. 

Bisher waren Krebstherapien direkt gegen den Tumor gerichtet. Heutzutage können wir auch das körpereigene Immunsystem nutzen, um gegen Krebserkrankungen vorzugehen. Wir wissen mittlerweile, dass sich Tumorzellen mittels bestimmer Marker "tarnen" können, sodass unser Immunsystem sie für Körperzellen hält und nicht angreift. Hier setzt die Immuntherapie an. Sie greift Krebszellen nicht direkt an, sondern "enttarnt" sie, indem bestimmte Rezeptoren an der Zelloberfläche gehemmt werden. So können sie vom Immunsystem erkannt und angegriffen werden. Eine andere Möglichkeit, gegen Krebserkrankungen vorzugehen, sind Tyrosinkinase-Hemmer. Wie alle Zellen brauchen auch Krebszellen ein Signal, um zu wachsen und sich zu vermehren. Dieses erhalten sie über Rezeptoren an der Zelloberfläche, die das Signal ins Innere der Zelle leiten. Für diese Weiterleitung sind unter anderem Tyrosinkinasen, körpereigene Enzyme, verantwortlich. Einige Tumoren haben besonders viele Rezeptoren, damit sind auch Tyrosinkinasen ständig aktiv und geben den Zellen laufend das Signal zur Teilung. So wächst der Tumor.
Tyrosinkinase-Hemmer oder auch Tyrosinkinase-Inhibitoren sind zielgerichtete Wirkstoffe, die diesen Signalweg unterbrechen, und somit die Zellteilung und das Tumorwachstum verlangsamen.

Eine weitere Errungenschaft in der Krebstherapie ist die CAR-T-Zelltherapie. Sie ist eigentlich eine Kombination aus Immun-, Zell- und Gentherapie. CAR-T steht für „chimäre Antigenrezeptor-T-Zellen“. T-Zellen sind ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems, bei einer CAR-T-Zelltherapie werden sie genetisch so verändert, dass sie Krebszellen erkennen und gezielt angreifen können. Damit kann das Immunsystem gegen die Krebszellen aktiv werden.
Diese Therapie ist seit 2018 zugelassen und wird derzeit nur bei Krebserkrankungen eingesetzt, die aus B-Zellen entstehen und deren Krebszellen auf ihrer Zelloberfläche das Antigen CD19 tragen. Patient:innen mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL), diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) und mediastinalen großzelligen B-Zell-Lymphom (PMBCL) können eine CAR-T-Zelltherapie erhalten, sofern herkömmliche Therapien nicht oder nicht mehr ansprechen bzw. sie diese nicht vertragen.

Gemeinsam den Alltag meistern

Eine wichtige Anlaufstelle für Patient:innen und Angehörige sind Patient:innenorganisationen und Selbsthilfegruppen. Sie können nicht nur im Alltag mit praktischen Informationen unterstützen, sondern geben oft hilfreiche Tipps zur Linderung von Nebenwirkungen oder anderen Problemen im Rahmen einer Therapie.

Zu den Patient:innenorganisationen bei Krebserkrankungen

Eine Krebserkrankung verändert das Leben

Als Krebspatient:in können Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin besprechen und entscheiden, welche Behandlung zu Ihnen und zu Ihrer Situation am besten passt. 

Checkliste zum Thema Diagnose

  • Wo befindet sich der Tumor?
  • Wie groß ist der Tumor?
  • In welchem Stadium befindet sich der Tumor?
  • Haben sich schon Metastasen gebildet? 
  • Gibt es genetische Veränderungen (Mutationen) in meinem Tumorgewebe?
  • Mit welchen molekularen diagnostischen Methoden wurden die Veränderungen ermittelt? 
  • Wie sieht meine Prognose aus?
  • Welche Untersuchungen und Maßnahmen stehen nun an?

Checkliste für die Wahl der Behandlung

  • Welche Tumorart liegt in meinem Fall vor?
  • Was ist das Ziel meiner Behandlung?
  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und welche ist die richtige in meinem Fall?
  • Welche Vor- und Nachteile haben die Behandlungsformen?
  • Welche Auswirkungen hat die Behandlung auf meinen Alltag?
  • Wie lange wird meine Behandlung dauern?
  • Sollte die Behandlung sofort beginnen oder habe ich noch Bedenkzeit?
  • Übernimmt meine Krankenkasse die Kosten der Behandlung?
  • Kann meine Behandlung meine Fruchtbarkeit beeinträchtigen?
  • Kann man meine Eizellen oder Spermien vorher konservieren?
  • Kann ich mir eine Zweitmeinung von einer anderen Ärztin oder einem anderen Arzt einholen?

 Checkliste nach der Krebsbehandlung

Wenn die Erkrankung heilbar ist:

  • Was kann ich tun, um gesund zu bleiben? 
  • Auf welche Symptome muss ich achten, die ein Hinweis für einen Rückfall sein könnten?
  • Habe ich Anspruch auf eine Anschlussheilbehandlung bzw. Rehamaßnahme? 
  • Wo kann ich Hilfe und Tipps für den Alltag bekommen?? 

Wenn die Erkrankung fortgeschritten ist und nicht geheilt werden kann:

  • Was kann von medizinischer Seite getan werden, damit meine Erkrankung so lange wie möglich in einem stabilen Zustand gehalten werden kann? 
  • Was kann ich tun, damit ich einen stabilen Zustand unterstütze? 
  • Wer kann mir helfen, wenn ich mit der psychischen Belastung nicht zurecht komme?
  • Welche Schritte sind nun aufgrund meiner Diagnose hinsichtlich Beruf (Rente, Behinderung) und Familie wichtig? 
  • Wäre eine Studienteilnahme in meiner Situation sinnvoll? 
  • Wer führt eine palliative Therapiebegleitung durch? 
  • Wer kann mir helfen, wenn die Therapiemaßnahmen nicht mehr wirken? 

Tipps & Services

Weitere Informationen, Anregungen und Tipps haben wir hier für Sie zusammengefasst. Auch hilfreiche Links und Veranstaltungshinweise finden Sie hier.

Tipps & Services

Krebspatient:innen erzählen ihre Geschichte

Mit welchen Ängsten waren sie nach der Diagnose konfrontiert, was hat ihnen geholfen und wie leben sie ihren Alltag? Wir haben nachgefragt.

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